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Lieferando kippt Fixanstellungen

Prekäre Plattformarbeit wird zur Norm - wer schützt die Rider?

Fahrradbot:innen

Gewerkschaft vida

Bis spätestens Ende Juli 2025 plant Lieferando, rund 1.000 seiner angestellten Fahrer:innen zu kündigen und auf freie Dienstverträge umzustellen. Dieses Vorgehen beendet das bisherige Modell des Unternehmens, das als eines der wenigen in Österreich seine Essenszusteller:innen in regulären Arbeitsverhältnissen beschäftigte.

Versäumnisse der letzten Bundesregierung

Trotz konkreter Vorschläge für gesetzliche Änderungen blockierte die ÖVP in der letzten Regierung Initiativen zur Absicherung sozial verträglicher Anstellungsverhältnisse. Dies führte dazu, dass Anbieter mit fairen Beschäftigungsmodellen nun unter Druck geraten. Unternehmen, die Risiken auf ihre Fahrer:innen abwälzen und sie als Selbständige oder freie Dienstnehmer:innen beschäftigen, profitieren finanziell, während die Volkswirtschaft und die Beschäftigten darunter leiden.

Forderung nach Regelung für Plattformarbeiter:innen

Die Gewerkschaft vida betont seit Jahren die Notwendigkeit, freie Dienstnehmerverhältnisse abzuschaffen, die im wachsenden Plattformsektor weit verbreitet sind. Internationale Konzerne umgehen damit gezielt Arbeitsstandards, um Risiken wie schlechte Auftragslagen oder Krankheit auf die Beschäftigten abzuwälzen und so ihren eigenen Gewinn zu maximieren. Die freien Dienstnehmer:innen und selbstständigen Fahrer:innen sind diesem Vorgehen schutzlos ausgeliefert.

Anstieg prekärer Beschäftigung

„Durch das unsoziale Vorgehen der Vorgängerregierung wird die Zahl der Scheinselbstständigen und freien Dienstnehmer:innen drastisch steigen“, warnt Markus Petritsch, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Straße. Für die gekündigten Lieferando-Beschäftigten kann zumindest ein Sozialplan erstellt werden, die zukünftigen freien Dienstnehmer:innen oder Selbständigen haben jedoch keine soziale Absicherung. „Die Politik hat den Schutz der Plattformarbeiter:innen auf die lange Bank geschoben“, kritisiert Petritsch. Die neue Bundesregierung ist nun gefordert, Maßnahmen zum Schutz dieser Beschäftigtengruppen zu ergreifen.

Lieferando als ehemaliger Musterschüler

Lieferando präsentierte sich lange als Vorzeigebeispiel in der Branche, da das Unternehmen einen Großteil seiner Mitarbeiter:innen anstellte. Im August 2024 bot es eine freiwillige Lohnerhöhung um 7,8 Prozent an, nachdem die Kollektivvertragsverhandlungen mit der Wirtschaftskammer ins Stocken geraten waren. Dennoch bleibt der Bruttolohn eines Riders mit rund 1.860 Euro bei einer 40-Stunden-Woche niedrig.

Fazit: Plattformarbeit endlich fair gestalten!

Die Umstellung von Lieferando auf freie Dienstverträge ist ein weiteres Beispiel dafür, wie unregulierte Plattformarbeit bestehende Arbeitsrechte aushebelt. Anstatt ein Modell mit sozialer Absicherung zu stärken, werden die Beschäftigten in prekäre Jobs gedrängt – ohne Krankenstand, bezahlten Urlaub oder arbeitsrechtliche Sicherheit.

Die Politik darf nicht länger zusehen, wie internationale Konzerne durch geschickte Vertragskonstruktionen Verantwortung abschütteln. Österreich braucht dringend klare gesetzliche Regelungen für Plattformarbeiter:innen, die gleiche Rechte wie klassische Arbeitnehmer:innen sicherstellen. Dazu gehört auch die Abschaffung freier Dienstverhältnisse in diesem Bereich, wie es die Gewerkschaft vida seit Jahren fordert. Wenn Plattformarbeit die Zukunft ist, dann muss sie fair gestaltet werden – für alle, nicht nur für die Konzerne.

 

Wir setzen uns für alle Berufskraftfahrer:innen ein.

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