KV Private Autobusbetriebe: Verhandlungen und möglicher Warnstreik
Arbeitgeber setzen statt besserer Arbeitsbedingungen auf Rot-Weiß-Rot-Karte. Die Kollektivvertragsverhandlungen für Buslenker:innen gehen am 17.02. weiter. Sollten Arbeitgeber keine spürbaren Verbesserungen bieten, drohen erste Kampfmaßnahmen.
Busfahrer:innen
Die KV-Verhandlungen für die österreichweit 12.000 Beschäftigten bei den privaten Autobusbetrieben stocken. Nach der dritten Verhandlungsrunde am 29.01.2025 lag ein Angebot der Arbeitgeber am Tisch, das minimale Verbesserungen auf der einen mit massiven Verschlechterungen auf der anderen Seite aufwog. In österreichweiten Betriebsversammlungen und Onlineveranstaltungen haben die Buslenker:innen dieses Angebot diskutiert. Der Tenor daraus ist eindeutig: Nicht Genügend. Setzen.
KV-Verhandlungstermin am 17. Februar und möglicher Warnstreik am 20. Februar
Durch den Druck der Betriebsversammlungen und der hohen Streikbereitschaft haben die Arbeitgeber zugesichert, am 17.2. in einer weiteren KV-Verhandlungsrunde die Bedürfnisse der Lenker:innen und damit unsere Forderungen ernst zu nehmen. Sollte dabei aber erneut eine Mogelpackung auf den Verhandlungstisch gelegt werden, dann werden die Beschäftigten am 20.2. 2025 einen ersten Warnstreik abhalten.
Runter mit den Buslenker:innen von der Mangelberufsliste
Wie in einer vida-Pressekonferenz in Wien erklärt, setzen die Arbeitgeber offensichtlich lieber auf erpressbare Lenker:innen mit Rot-Weiß-Rot-Karten von außerhalb der EU und Lohndumping, anstatt die Branche attraktiver zu gestalten. Die Buslenker:innen wehren sich gegen diese von den Arbeitgebern gestellte Falle. „Daher, runter mit den Buslenker:innen von der Mangelberufsliste – wir wollen neben fairen Lohnerhöhungen in erster Linie eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen verhandeln, um die Branche wieder attraktiver für Bewerber:innen aus Österreich und der EU zu machen“, fordert Yvonne Rychly, stv. Vorsitzende der Gewerkschaft vida Wien. Nur so könne die Branche den selbstverschuldeten Personalmangel überwinden. Alleine in Wien fehlen in den nächsten fünf Jahren bis zu 5.000 Lenker:innen.
Runter mit den Buslenker:innen von der Mangelberufsliste – wir wollen neben fairen Lohnerhöhungen in erster Linie eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
Die langen Arbeitstage von Buslenker:innen geben nur einen Bruchteil an bezahlter Arbeitszeit her. Zwischen zwei Diensten liegen oft lange, unbezahlte Pausen.
Ausbau des Öffentlichen Busverkehrs an der Kippe
Alle politischen Parteien sind sich einig; wir brauchen mehr Busverkehr. Der öffentliche Nahverkehr soll für die Menschen in diesem Land und für den Klimaschutz ausgebaut werden. Alle Fahrgäste wollen, dass es mehr Busverbindungen gibt, dass der Bus öfter kommt und Kinder sicher in der Schule ankommen. Daher sollen Busse auch an Sonn- und Feiertagen und in der Nacht oder in der Früh fahren. In der Realität können aber bereits jetzt einzelne Linien nicht bedient werden und offene Stellen für Buslenker:innen sind seit Monaten unbesetzt.
Betroffene sind mit Arbeitsbedingungen unzufrieden
Wie aus vielen Einzelgesprächen bei Lenkerstammtischen, Versammlungen und Umfragen hervorgeht, sind die Rahmenbedingungen im Kollektivvertrag teilweise unzumutbar. Sie führen zu langen Diensten von bis zu 15 Stunden und zu kurzen Nachtruhen. „Die langen Arbeitstage geben aufgrund von geteilten Diensten nur einen Bruchteil an bezahlter Arbeitszeit her. Zwischen zwei Diensten liegen oft lange, unbezahlte Pausen“, erklärt Susanne Haase, Landesgeschäftsführerin der Gewerkschaft vida Wien.
„Wenn alle anderen Schlafen und frei haben, dann fahren Buslenker:innen und bekommen dafür keine ausreichende Abgeltung – darunter leidet auch das Familienleben“, kritisiert Gewerkschafterin Rychly. Die Nachtzulage wird derzeit nur von 0 bis 5 Uhr bezahlt. Der Arbeits- und Zeitdruck steigt wegen Personalmangel kontinuierlich, eine Sonntagszulage fehlt überhaupt zur Gänze.
Mangelberufsliste sorgt für mangelnden Lösungswillen bei Arbeitgeber:innen
Der Lösungswille der Arbeitgeber ist aber begrenzt. Bereits bei den letzten KV-Verhandlungen hat es Arbeitsgruppen zwischen vida und der WKÖ zu den Rahmenbedingungen gegeben, diese haben sich dann ein Jahr in die Länge gezogen. Nur mit viel Druck konnte überhaupt eine Einigung erzielt werden. Statt hier konstruktive und echte Lösungen zu suchen, setzte Arbeitsminister Kocher die Buslenker:innen auf die Mangelberufsliste, was die Arbeitskräfterekrutierung außerhalb der EU ermöglicht. „Das Ergebnis von Kochers Geschenk: Auch heuer wollten die Arbeitgeber in den Verhandlungen die Bedürfnisse der Beschäftigten wieder auf die lange Bank schieben“, ist vida-Landesgeschäftsführerin Haase empört.
Forderungen der Gewerkschaft vida bei den KV-Verhandlungen private Autobusbetriebe:
- Faire Lohnerhöhungen: Ein Lohnplus von 3,7 Prozent würde die rollierende Inflation von 3,5 Prozent ausgleichen und die Kaufkraft der Lenker:innen stärken.
- Verbesserung der Arbeitsbedingungen: Nur bessere Rahmenbedingungen können den Beruf langfristig attraktiv machen – etwa durch kürzere Dienste und längere Ruhezeiten, sowie eine Beseitigung langer, unbezahlter Pausen bei geteilten Diensten.
- Ausweitung der Nachtzulage: Die Nachtzulage soll über die derzeitige Zeitspanne von 0 bis 5 Uhr hinaus ausgeweitet werden.
- Einführung einer Sonntagszulage: Die meisten Beschäftigten haben an Sonntagen frei, oder bekommen ihren Sonntagsdienst entsprechend abgegolten. Auch im Busbereich braucht es daher eine Sonntagszulage.